Die Kosten

Das liebe Geld oder: sind Waldorfeltern alle reich?

Eine Waldorfmutter in Sorge um die Finanzierbarkeit der Waldorfausbildung

 

Ich bin allein erziehende Mutter einer Tochter, die jetzt in die zweite Klasse der Waldorfschule in Karlsruhe geht. Meine Familie ist leider nicht wohlhabend und so muss ich um den Lebensunterhalt (und das Schulgeld) zu bestreiten halbtags (-> um nachmittags für meine Tochter Zeit zu haben) arbeiten gehen.

Ich würde mich wirklich gerne an Aktivitäten beteiligen, die (leider nur) vormittags von Elternseite in der Schule stattfinden (Basteln für den Bazar etc.) Ich bin auch öfters schon angesprochen worden, ob ich nicht mal Lust hätte, in der Schulküche einzuspringen. Herzlich gerne aber - da ich daran aus o. g. Gründen nicht teilnehmen kann, entwickelt sich eine Entfremdung, da sich die anderen bei diesen Beschäftigungen dann viel schneller und besser kennenlernen können. Und irgendwie wird einem auch noch ein unterschwellig schlechtes Gewissen gemacht. Das geht vermutlich anderen Alleinerziehenden ebenso. Schwierig auch die häufigen Elternabende...

Das war zum einen der soziale Aspekt - der finanzielle ist noch schlimmer... Ich habe mein Kind schon immer (im Grundgedanken zumindest) nach Waldorf-"mentalität" erzogen und meine Tochter geht auch mit Freude in die Schule aber ich weiß wirklich nicht wie lange ich die finanzielle Belastung noch durchhalten kann. Im Augenblick wird noch vom Sparbuch gezehrt... Ich weiß, man kann um Reduzierung bitten (ich zahle schon nicht ganz den vollen Betrag) aber wie peinlich, wenn man sozusagen darum betteln muss (fast wie auf dem Sozialamt) und einem dann vielleicht nicht ein mal so richtig geglaubt wird... Letztendlich werde ich meine Tochter aus diesen Gründen wohl von der Schule nehmen müssen. Zusätzliches Problem ist auch, dass in den Ferien (bis jetzt noch) keine Betreuung angeboten wird. So viel Urlaub wie es Ferien gibt bekommt doch niemand!

Dann ist es ja so, dass im dritten also bei uns im nächsten Schuljahr die Kinder ein Instrument lernen sollen (wer soll denn das wieder bezahlen?) und der entsprechende Unterricht kostet dann auch noch extra (ja um Himmels Willen und dazu noch Klassenfahrten/-aufenthalte??) Langsam bekomme ich doch den Eindruck, dass die Waldorf-Eltern recht bis sehr wohlhabend sein müssen -

Elite also?!

Ich hoffe wir halten die nächsten zwei/drei Jahre trotzdem noch durch, dann kann sie aufs Gymnasium bzw. Realschule wechseln.

Dies schreibt Ihnen eine etwas desillusionierte Waldorf-Mutter.

Anonym

veröffentlicht seit 30. November 2000

Hallo,
selbst Steiner sagte einmal, als es darum ging die erste heilpädagogische Einrichtung zu gründen, dass wenn man von etwas überzeugt ist und es kein Geld gibt, darf das niemals ein Hinderungsgrund dafür sein. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass sich immer Mittel und Wege auftun. Nebenbei bemerkt: die Politik scheint meistens auch nicht anders zu handeln...

Gruß Kerstin Ulmer

veröffentlicht seit 31. März 2004